Samstag, 11. Oktober 2008

Etappe 3: Caldas de Reis - Pontevedra (25 km)

(Redondela, Nachtrag 10.10.)
Und wieder ziehe ich meine Spur weiter; nicht nur im WWW (um meine Familie und Freunde mit Infos ueber mein Wohlergehen versorgt zu wissen), sondern auch auf der spanischen Landkarte (um meinem Pilger-Ziel naher zu kommen). Immer noch befinde ich mich in Galicia, dem wunderschoenen Galicien, dem man nachsagt, reich an Regen, dafuer sonst eine der aermsten Regionen Spaniens zu sein. Von Regen spuere ich nichts ;-) - ganz im Gegenteil, ich wandere im T-Shirt, mit Sonnenbrille und Kappe, weil die Sonne sticht wie nur was! Nachts und in aller Herrgottsfruehe ists zwar arschkalt, aber untertags steigen die Temperaturen auf bis zu 29 Grad (das war zumindest die hoechste Anzeige, die ich untertags gesehen habe)! Heute morgen haette ich, nachdem ich gestern den Hut drauf-, heut beinahe meine letzten Nerven weggeschmissen. Man stelle sich vor: Um 8:30 Uhr immer noch stockdunkel, muss man sich langsam aber sicher aus der Herberge (respektive dem Hotel) aufmachen, wenn man eine Strecke von knapp 25 Kilometern bis zum Abend (Pausen natuerlich mit eingerechnet) schaffen will; leichter gesagt als getan, denn finde mal den Weg aus einer Stadt/Ortschaft raus, wenns kein - wie sonst am Camino ueblich - verlaessliches Gelbe-Pfeile-Leitsystem gibt... Je groeszer die Stadt, desto weniger Pfeile, davon kann mal mal mit Sicherheit ausgehen ;-(
Nun ja, also habe ich meinen ersten Cafe con leche heute erst um 12:07 Uhr (!!!) zu mir genommen - zu dieser Zeit habe ich im Buero schon mindestens 3 intus... Ja, ich weisz, ich bin kaffee-suechtig... Nach Stunden habe ich dann voller Verzueckung endlich wieder einen gelben Pfeil erspaeht, der mir den Weg gewiesen hat. Immerhin. Zwar weisen die gelben Pfeile ausschlieszlich den Weg nach Santiago (also in die verkehrte Richtung), aber mir zeitgleich auch "meinen Weg" gen Sueden, indem ich einfach immer anders gehe als die Markierungen, die uebrigens - wenn vorhanden - auf Straszenpfeilern, Lichtmasten, Mauern, auf Steinen und auf der Rueckseite von Verkehrsschildern aufgemalt sind, anzeigen. Nun ja, nachdem ich mein verkehrtes Leitsystem leider irgendwann komplett aus den Augen verloren habe, musste ich mich gezwungenermaszen wieder an der transitschweren N-550 (und dort auf dem - keine Sorge, Mama! - breit angelegten Pannenstreifen) entlang hanteln, was aber nicht unspannend fuer mich war, da ich im Abzaehlen der vorbeirasenden Seats (Unmengen!!!) innerhalb von einer Stunde eine - so glaube ich - konstruktive Beschaeftigung gefunden habe. Es muss wohl Gottes Wille gewesen sein, jedenfalls habe ich irgendwann ploetzlich einen BLAUEN Pfeil entdeckt, der - so weisz ich aus dem Vorjahr - solchen Leuten wie MIR gewidmet ist: Denen, die gegen den (Pilger-)Strom schwimmen, denen, die den Weg retour gehen. Ich habe mir in diesem Moment geschworen, dass ich in Wien eine Messe lesen lassen werde, fuer diesen Wink des Schicksals! So bin ich den Rest des Tages fast laufenden Schrittes - man muss sich ja nicht mehr um die Orientierung kuemmern - ueber Feldwege und Waldpfade vorbei an von Eidechsen bevoelkerten Steinmauern und Pferdekoppeln, durch Weinlauben und kleine Oertchen gewandert und konnte die Pilger, die mir entgegengestroemt sind, auch blosz an einer Hand abzaehlen (naemlich 4!). Abends habe ich ein extrem geniales Menu del dia zu mir genommen, bestehend aus Ensalada mediteranea und weiszem Fisch (so wie Babs mir empfohlen hat!).

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Etappe 2: Padrón - Caldas de Reis (18,5 km)

Nach ca. 9 Kilometer Fuszmarsch habe ich heute fruehzeitg den Hut drauf geschmissen und die verbleibenden 10 Kilometer per Autostopp zurueck gelegt. In der Frueh bin ich mehrmals intuitiv den richtigen Weg gegangen, was ja in Anbetracht der Tatsache, dass die Wegweiser (Gelbe Pfeile) in die andere Richtung zeigen, wahrlich nicht ganz so einfach ist. So fuehrte mich mein Weg am Vormittag durch herrliche Farn- und Weinlandschaften, durch uralte Waelder, und auch ein Stueck weit auf der alten Via Romana (XIX). Begleitet wurde ich anfaenglich von einem kleinen streunenden Koeter, den ich relativ bald - weil aus Padron kommend - Pedro getauft habe. Nachdem wir uns geeinigt haben, dass er mich NICHT anspringt und ich ihn - weil vermutlich Floh- und Lausbefall - NICHT streicheln werde, ist er dennoch fuer mindestens 2,5 Kilometer aus der Stadt raus nicht von meiner Seite gewichen. Wenigstens hatte ich jemanden zum Reden..., und er hat sich wahrscheinlich dasselbe gedacht - ob er mich aber verstanden hat, bleibt ungewisz ;-)
Kalt (aber sonnig!) wars in den fruehen Morgenstunden, wovon jetzt (18:30 Uhr) keine Rede mehr sein kann. Die letzte Stunde habe ich bei 22 Grad an der oeffentlichen Thermalquelle, fuer die Caldas de Reis - angeblich schon seit den ersten rheumatischen Neanderthalern - bekannt und beliebt ist, verbracht und mir dort die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Wunderbar! Das wirklich sehr sehr heisze (!!!) H2O hat offenbar in der Tat eine heilende Wirkung, denn die Leute - Jung und Alt - kommen reihenweise und wiederholt mit Gebinden unterschiedlichster Groesze hier an und befuellen diese oder waschen sich Haende, Fuesze und Gesicht mit jenem gesundheitsversprechenden Wasser aus der Quelle. Auch ich werde mir ausgiebig Zeit nehmen, sowohl meine Augen und meine Schilddruese (respektive den immer noch schmerzenden Hals) als auch die Wandersfuesze zu benetzen, um eine positive Wirkung zu erhalten. Schon Tage vor meiner Abreise habe ich prophylaktisch begonnen Hirschtalgcreme aufzutragen. Also, mit Heilwasser und Hirschtalg (H-H) kanns nur mehr gut gehen - und unter diesem Motto steht auch der heutige Tag: Ich lass es mir einfach gut gehen! Am fruehen Nachmittag habe ich schon in einem - im Unterschied zu den Herbergen aus den Vortagen - recht vornehmen Hotel eingecheckt, das pro Nase und Nacht 25 Euro nimmt; dafuer ist auch ein Schwimmbad inklusive ;-). Den Tag selbst habe ich in aller Ruhe zunaechst schlafend und dann sightsee-nd verbracht, z.B. habe ich mir die hiesige Kirche, die dem Sto. Tomás gewidmet ist, genauer angeschaut - oh, wie sehr vermisse ich dich auf meinem Camin(h)o!

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Etappe 1: Santiago - Padrón (23,5 km)

Verhaeltniszmaeszig spaet (9:30 Uhr) bin ich heute Frueh aus Santiago rausgekommen. Gestern habe ich mich zwar (nachdem ich abends mit dem Bus kurz ins Zentrum gefahren bin, um nochmal eine Runde um die Kathedrale zu drehen) wie geplant zeitig niedergelegt, aber die Nachtruhe war leider nicht wirklich gegeben. Durch das Halsweh und wohl auch wegen der Umgewoehnung (erste Nacht nach langer Zeit wieder im Schlafsack) bin ich staendig aufgewacht und meine Gedanken haben sich nur im Kreis gedreht... Nicht sehr entspannungsfoerderlich. Umso gleucklicher bin ich, diese erste Etappe trotz des Dahinkraenkelns fast problemlos hinter mich gebracht zu haben. Ich habe mich, wohl um so schnell wie moeglich aus Santiagos Dunstkreis zu entkommen, hauptsaechlich entlang der N-550-Schnellstrasze bewegt, die straight-ahead nach Padron fuehrt und die bis dahin zahlreiche Ortschaften auffaedelt, die der Rede nicht wirklich wert sind. Egal. Nur kurzzeitig bin ich von dieser sicheren Seite abgewichen und habe mich in den umliegenden Doerfern ein wenig umgeschaut (Schafe, Huehner, vollgehaengte Waeschleinen...fast wie in der Steiermark oder im tiefsten Waldviertel, nur mit Palmen und Zitronenbaeumen dazwischen) . Wichtig war mir auf jeden Fall, dass ich mich halbwegs orientieren kann, was gar nicht so einfach ist. Aber dass ichs mir von Haus aus nicht einfach machen wollte, steht ja ohnedies fest. Wer sonst geht auch einen eh schon (nicht nur im Oktober, sondern ganzjaehrig) wenig frequentierten "Neben-Jakobsweg", und das noch in die verkehrte Richtung? Das kann ja wohl nur mir einfallen. Apropos Dunstkreis: Dunstig und nebelverhangen habe ich Santiago also hinter mir gelassen, gegen Mittag haben sich dann erste Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolkendecke gebahnt, und ich bin zuversichtlich, dass mein Vitamin-D-Haushalt heute nach langer Zeit wieder seine Produktion angeschraubt hat. Laut dem gestrigen "Kurier", den ich in Ermangelung anderer Zeitschriften im Flieger (Niki) geradezu verschlungen habe, produziert der Koerper bis zu 90 Prozent dieses Vitamins selber, vorausgesetzt man haelt sich von Oktober (bis Maerz) unterhalb einer "gedachten Linie noerdlich von Rom" auf. VItamin D ist ja, glaube ich, wichtig fuer die Knochen, und irgendwie hoffe ich stark, dass dadurch meine Hueft(knochen?)schmerzen, die ich mir heute eingetreten habe, wieder weg gehen... Babsi, meine Lieblings-Physiotherapeutin, help me! Bye the way: Bist du gut in Peniche angekommen?

Dienstag, 7. Oktober 2008

Halswehauweh in Santiago

Ich habe wieder festen Boden unter den Fueszen. Spanischen Festland-Boden. Santiago de Compstela hat mich heute bei heiter-sonnigen 22 Grad um 17 Uhr empfangen, gegen 20 Uhr warens immer noch 19,5 Grad, bei maeszigem Wind. Nach laengerer, sogar ziemlich umstaendlicher Herbergssuche bin ich in einer recht netten, alternativen Albergue in den Outskirts der Pilgerstadt gelandet. Leider kommt momentan offenbar sehr viel in mir hoch, und so meldet sich sogleich auch mein Koerper mit boesem Halsweh, wohl um mir irgendetwas mitzuteilen. Super, also geht meine neuerliche Fuszreise gleich mal angeschlagen los. Gut, Apotheken gibts hier wie Sand am Meer und so wars nicht schwierig was Lemocin-artiges aufzustellen. Der Apotheker war trotz Sprachproblemen sehr bemueht, mich mit dem Richtigen zu versorgen (er wollte mir umstaendlich erklaeren, dass es sich bei seinem Mittelchen um Lutschtabletten handelt); die Spanier sind generell - und das faellt mir jetzt wieder extrem auf - ein sehr hilfsbereites und freundliches Voelkchen. Kaum habe ich meinen Stadtplan ausgebreitet und stehe mit ratlosem Gesicht in den Santiagoer Gassen herum, stellen sie sich neben mich, schauen mir ueber die Schulter und bieten ihre sofortige Hilfe an. Und sie laecheln immer. In Wien ein Ding der UNmoeglichkeit. Leider laeuft man in der Heimat sehr schnell Gefahr diesen Grant selbst auszustrahlen - ich muss wohl versuchen, mir HIER einiges abzuschauen ;-) Ich werde wohl den morgigen Tag abwarten und dann entscheiden, wie ich weiter machen werde. Ich glaube es waere falsch, sich mit einem 22-Kilometer-Marsch unnoetig anzustrengen, wenn man eh schon kraenkelt. Aber mal schauen. Es ist halt wieder so typisch fuer mich: Waehrend in Wien alle grippe-bedingt hustend und schnupfend darnieder liegen, checkt mein Immunsystem die Viren-Abwehr daheim problemlos - aber hier? Hier ist alles anders. Aber wie gesagt, mein Koerper versucht mir wohl gerade wieder irgendwas unterschwellig zu sagen. Egal. Heute rolle ich mich daher zeitig in den zuvor ausgerollten Schlafsack ein und werde ihm durch viel, viel Schlaf gar nicht noch weiter die Moeglichkeit geben, mir jetzt in mein Vorhaben dreinzupfuschen. Genau!

Was anderes: Beloved Pat hat heute ein Hearing in Duesseldorf fuer eine Hauptrolle (Moritz) in "Fruehlingserwachen" gehabt; ich hoffe es ist gut gelaufen, immerhin hab ich ihm bei unserem Abschied in Wien-Schwechat (er ist am Nachbar-Gate abgeflogen ;-) ) nochmal kraeftig ueber die Schulter gespuckt. Und auch mir hat er ein Toi-Toi-Toi mit auf den Weg gegeben. Oder aber boese Viren...?!?!
Denk an euch!

Samstag, 4. Oktober 2008

Aviophobe Gedanken ans Universum

...ich fange langsam aber sicher an nervös(er) zu werden. Und wahrscheinlich frage ich mich heute nicht zum ersten Mal und sicher nicht zu Unrecht, warum ich mir solch einen "Hatsch" erneut antue. Liebevoller könnte ich diesen Camino auch als meinen persönlichen "Sternenweg"(eig. wird der klassische "Camino Francés" so genannt, weil er der Milchstraße entlang direkt nach Santiago und schließlich bis Finisterre führt) bezeichnen, was mir sogleich mein vielversprechendes Horoskop für 2008 in Erinnerung ruft:

Für heuer nämlich verspricht mir die Astrologie, dass die Sterne mir tatkräftig unter die Arme greifen. Hm, der September ist nun vorbei, und ich denke mir, dass dieses Versprechen halt einfach bis aufs letzte Quartal gewartet hat, aber genau jetzt brauch ich die Unterstützung auch. Angeblich stärkt Merkur meine Konzentration und mein Reaktionsvermögen, Neptun verfeinert meinen sechsten (Über!-)Sinn und Mars und Jupiter lassen mich entschlossen die richtigen Schritte setzen. Also, Sterne, an die Arbeit! Ehe es losgeht, möchte/muss ich auf jeden Fall meine Wohnung auf Vordermann bringen, die Nachbarn noch in den Dienst der Blumenpflege einweisen und auch soviel Frust/destruktives Gedankengut wie möglich mitsamt dem Restmüll, der die nächsten Wochen auf keinen Fall stehen bleiben soll, im Vorfeld entsorgen respektive hier (verrotten) lassen. Immerhin ist's diese Art von Ballast nicht wert, noch weiter geschleppt zu werden. Schon gar nicht, wenn man eh schon ein nur mit den Basics ausgestattetes, aber dennoch 10 kilo-schweres Backpack mit sich herumtragen soll. Egal. Jedenfalls merke ich, wie ich mir langsam aber sicher ein klein wenig Panik in Hinblick aufs Fliegen aufreiße. Nach den zig Horrormeldungen über Flugzeugabstürze aus den vergangenen Wochen verspüre ich ein flaues Gefühl im Magen. Entwickle ich jetzt eine Aviophobie (Flugangst), oder wie? Übrigens, besten Dank an das Blatt, das mit seinen apokalyptischen Schlagzeilen und Titelbildern diese Ängste deutlich in mir geschürt hat. Mit leichter Verzweiflung blicke ich daher meinem Abflugtag entgegen.
Oh, Götter (Merkur, Neptun, Jupiter und Mars...nein, ich bin keine Polytheistin) steht mir bei, und lasst die metallenen Vögel im Himmel, unterhalb der Sterne und der Milchstraße...