Mittwoch, 15. Oktober 2008

Etappe 6: Tui ( - Valenca) - Rubiaes (23 km)

(Nachtrag, 14.10., Ponte de Lima)
Landschaftlich wie auch emotional eine unvergessliche und einzigartige Etappe fuer mich. Zu einem groszen Teil wandert man auf der - bereits erwaehnten - alten Via Romana (Nr. XIX). Nachdem Lozzo und ich uns fuer die Festung in Valenca (nach unserem Grenzuebertritt) ausgiebig Zeit genommen haben, sind wir erst spaet abends in unserem Tagesziel, Rubiaes eben, angekommen. Auf der einen Seite ist die Sonne eben untergegangen, auf der anderen der Vollmond auf ... ehrlich wunderschoen!

Dienstag, 14. Oktober 2008

Zwischendurch aus Tui...

Die gestrige Distanz fiel mir mit ihren 21 Kilometern gar nicht mal so schwer, obwohl ein betraechtlicher Teil der Strecke durch ein von vielen Pilgern schon als "verflucht" geheiszenes Industriegebiet fuehrte (ca. 8 km). Wohl das in Wasser aufgeloeste Himalya-Salz, das mir Lorenzo zusaetzlich zum Joghurt-Obst am Morgen gereicht hat, war schuld dran, dass ich mich nach dem sonntaeglichen Rueckschlag wieder richtig gut durchgespuelt gefuehlt habe. Angeblich soll es den Salzhaushalt des Koerpers mit wichtigsten Stoffen versorgen?!?! Und so habe ich mir diesen beschwerlichen Weg durch die Industriezone angetan, was aber keineswegs etwas mit Askese zu tun hat; vielmehr ist es wieder eine Erfahrung, die ich von hier aus mit nach Hause nehmen kann: Gottseidank oder manchmal auch leider verlaufen nicht ALLE Tage gleich/aehnlich, gute Dinge wiederholen sich ebenso wie schlechte, so geht dieser Weg zunaechst durch eine staubige Zone, um bald darauf von einer waldig-blumigen abgeloest zu werden. Apropos Wiederholung: Auch Lorenzo ist im Uebrigen einer von vielen "Wiederholungstatern" hier, was den Camino angeht: Saemtliche Peregrinos, denen man ab und an dann doch ueber den Weg laeuft, erzaehlen gerne von ihren "anderen Caminos", die sie bereits hinter sich gebracht haben. So steht der klassische "Camino Francés" ganz vorne, gefolgt von Alternativrouten wie die "Via del Plata" (kommt aus dem Landesinneren) oder dem "Camino del Norte" (der Kuestenweg ab Bilbao) etc., die alle Santiago zum Ziel haben. Alle Wege fuehren dahin, scheint es, wenn man den Wandernden so zuhoert. Ich bin immer schon irre froh, wenn ich mein Tagesziel erreicht habe und dort - obwohl mir das Gehen groszen Spasz bereitet - meine Bock aus- und meine Flip Flops anziehen kann, um dann auf Entdeckungstour durch die kleinen Ortschaften oder Staedte zu gehen. Tui selbst, wo ich mich gerade zum Bloggen in die "Biblioteca Publica Municipal" eingeschlichen habe, ist eine abgesehen von ihrer wuchtigen Kathedrale und ihrer putzigen Altstadt eher unspektakulaere spanische Grenzstadt. Ueber die sogenannte "Ponte International", die - ich hab unterschiedliches drueber gefunden - entweder von Eiffel direkt oder von einem seiner inspirierten Schueler Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, fuehrt der Weg mich respektive uns weiter nach Portugal, in die Nachbarstadt Valenca Minho (In Valenca werde ich mich heute wahrscheinlich laenger aufhalten, werde mir die riesige Festung und die Altstadt genauer anschauen *juhu*). Der Ausblick auf den Fluss Minho, der eben die natuerliche Grenze zwischen Spanien (Galicien) und Portugal darstellt, ists nun auch, der mir endlich erlaubt meinen 745-Seiten-starken "Portugal"-Reisefuehrer, den ich seit daheim mit mir mitschleppe, aus dem Rucksack zu ziehen, was ich bisher aus Ruecksichtnahme auf die spanischen Landsleute immer tunlichst vermieden habe; man weisz ja, dass sich diese beiden Voelker - gelinde gesagt - auf den Tod nicht ausstehen koennen. Der Minho ist aber nicht nur Landesgrenze, sondern - und das soll mir mal eine/r erklaeren - zeitgleich auch Zeitzonengrenze (???), und das obwohl Santiago und beispielsweise Porto direkt in einer Linie untereinander liegen... In Portugal ticken die Uhren also anders, genau genommen eine Stunde frueher als im noerdlichen Spanien. Und obendrein wird mir auch ein Raetsel bleiben, wie um alles auf der Welt ein Reiseveranstalter auf die Idee kommt, sich ausgerechnet nach DIESER gerade mal 17.000-Einwohner-fassenden faden Stadt zu benennen....?!?! :-)

Montag, 13. Oktober 2008

Etappe 5: Mos - Tui (21 km)

Bin wieder auf den Beinen! Heutige Strecke war sogar ein leichtes, hatte ich doch einen jungen italienischen Compagnon, Lorenzo, an meiner Seite, der den Caminho ebenfalls retour geht. Und nicht nur das: Er geht konkret von Lourdes bis Fatima, d.h. 1600 km! Auch nicht uebel! Der Tag hat mit einem Fruehstueck, wie ichs mir lobe, schon hervorragend begonnen: L. und ich haben alles Obst, was wir noch in den Rucksaecken verstaut gehabt haben, auf den Tisch geknallt, und uns gemischt mit Joghurt eine herrliche Fruchtsalat-Unterlage zubereitet. Waehrend wir geschmaust haben, hat er mit geschildert, WIE er den Weg bis hierher [Mos] gefunden hat ;-) - Morgen, oder, wenn bessere Tastatur vorhanden, mehr - nur mehr 4 Kilometer bis zur Grenze...!!!

Etappe 4,5: Redondela - Mos (9,5 km)

(Nachtrag, 13.10. - Tui)
Nur in aller Kuerze ein Platzhalter... Den gestrigen Sonntag mit Migraene im laut Reisefuehrer "beschaulichen Mos", knappe 10 Km (per Taxi) von Redondela entfernt, flach gelegen. Herberge zwar bis gegen Abend menschenleer und von daher fast ein bisschen gespenstisch, aber das Schlafen (plus Aspirin Akut und gutem (spanischen...) Zuspruch von der hiesigen Hospitalera) hat gut getan... haetten die gestern nicht irgendeinen Christus-Feiertag gehabt (Christo del Esperanza o.ae.)... Salutschuesze und Live-Musik bis spaet in die Nacht...

Samstag, 11. Oktober 2008

Etappe 4: Pontevedra - Redondela (19 km)

Nun... bloed aber auch, aber so ist es nun mal: Ich habe mir zusaetzlich zu einer genialen Gesichtsfarbe auch zwei Blasen (symmetrisch !!!) unterhalb meiner beiden Knoechel aufgezogen. Gestern Nachmittag hatte ich sie schon gespuert und - sobald die Socken ausgezogen waren -hatte ich dann auch die traurige Gewissheit ;-(
Jetzt kann ichs ja endlich sagen, aber jener Trick, der besagt, man solle die Socken - wenn geht - GAR nicht wechseln geschweigedenn waschen - und ich sags nochmal, JETZT weisz ichs, nachdem ichs ausprobiert habe - ist eine unverschaemte Luege! Hirschtalg hin, Hirschtalg her, alte/dreckige (=verschwitzte) Socken aus, alte Socken an - nutzt alles nix. Die Blasen kommen (vom Gehen) ... und bleiben! Dabei hatte ich schon am dritten Tag das gute Gefuehl, dass meine Muskeln und Sehnen nun endlich gedehnt sowie meine Gelenke (Huefte bereitete mir ja bissl Schmerzen) geoelt und geschmiert waeren, und mir daher nix mehr passieren koennte. Falsch gedacht, aber man lernt nie aus. Urspruneglich wollte ich also heute eigentlich einen Pausentag einlegen, mir Pontevedra noch genauer anschauen, blosz hats mich heute so eindeutig ans Meer gezogen, dass ich diesem Drang nicht mehr widerstehen konnte. Redondela naemlich ist direkt neben/an der Meeresbucht von Vigo gelegen, und auch vom Weg aus hat man einen herrlichen Blick darauf. Heute hatte ich ehrlich einen immens guten Tag, bin - ausgestattet mit neumodischen, aber im Gegensatz zu den alternativen Vorbeugungsmasznahmen sehr sehr hilfreichen Blasenpflastern - endlich fast gedankenverloren (weil massig viele blaue Pfeile; siehe Eintrag gestern) durch einsame Doerfer spaziert, habe mir von den ihre Felder bestellenden Bauern, die extra dafuer innegehalten haben, zuwinken lassen und bin mir ein bisschen wie ins vorvorige Jahrhundert zurueckgeworfen vorgekommen. Herzliche Gesten, ein Frieden und eine Ruhe, die unbeschreiblich sind und die sich nun auch langsam aber sicher auf mein hitziges - wenn auch nur selten erkennbares - innerliches Gemuet uebertragen. Ich geniesze den Weg momentan voll und ganz, bin zufrieden mit meiner Entscheidung, den Caminho Portugues, der seit 1999 wieder an Bedeutung gewinnt - andersrum zu gehen, wohl weil ich dann noch alleiner (gibts einen Komparativ zu alleine?) mit mir und meinen Gedanken sein kann.
Lediglich bloede kleine Toelen, die mich anklaeffen, wenn ich vorbeigehe, stoeren dieses Bild. Erst gestern hatte ich wieder so ein kleines Monstrum am Bein, das zwar von meinen Wanderstoecken von vornherein schon ordentlich eingeschuechtert war, das es aber dennoch nicht lassen konnte, mich anzubellen und durch die ganze Ortschaft zu verfolgen (normalerweise sind die Hunde angekettet...). "Pass auf, du (An-)Schnauzer, hoer jetzt endlich auf mit deinem Gebelle, sonst..., sonst, ...sonst... fotographiere ich dich!" Der Terrier verstand diese Drohung richtig; haette er nicht damit aufgehoert, haette ich seine Bilder allen vorbeikommenden Pilgern (heute warens schon ein Paar (!!) mehr) unter die Nase gehalten und ihn als "Ungeheuer von Tivo" [Kleiner Ort zwischen Caldas de Reis und Briallos] ausgerichtet. Jedenfalls war dann Schlusz ;-). Ich fuehle mich nicht nur durch solche Aktionen als "advanced" Pilgerin; eine Herbergsbekanntschaft aus Pontevedra war z.B. ein junges 15-jaehriges Maedl aus Frankfurt, das mit Mutter und noch zwei Freunden von Porto nach Santiago unterwegs ist. Schwer begeistert von meinem Projekt, den Caminho eben in die andere Richtung UND allein zu gehen, ist sie mir den ganzen Abend nicht mehr von der Seite gewichen und hat mir zu verstehen gegeben, dass sie DAS, was ich hier gerade mache, total "cool" findet und sie sowas nach ihrem "Abi" auch machen wird/will. Dass ich mal als Vorbild fuer die heutige Jugend gelte, haette ich nie zu traeumen gewagt ;-) Vorbild hin oder her.... spaetestens uebermorgen bin ich ueber der Grenze - klingt irgendwie VERBOTEN-GUT!!! ;-) [bitte keine Nachahmungen].